Heute: 4. Türchen


Oh, je!  Ich und Technik! Da habe ich die Beiträge doch vorbereitet und nicht richtig eingestellt! Tut mir wirklich leid, meine lieben Leser und Leserinnen! Ich werde mich bessern! 

Das heutige Türchen öffnet sich mit vielen Worten und alten Bildern. Warum? Ich glaube, ich sollte euch mal ein bißchen über meine Person erzählen. Über die Person, die euch mehr oder minder nun seit 11 Monaten begleitet.  Der heutige erste Teil wird bildtechnisch ein kleines Plädoyer für die Einfachheit aus früheren Tagen.


Zuhören konnte ich schon als Baby gut!


In einem der früheren Beiträge habe ich schon ein wenig über meine Person geplaudert. Ihr wißt mittlerweile, daß mich die Depressionen schon lange Zeit begleiten. Ihr wißt, daß ich Mutter von  9jährigen Zwillingen bin (na, welche sind wohl meine?), Frau eines Fotografen mit eigenem Studio
und eine Chaotin bin. Ich habe ständig neue Ideen im Kopf. Kennt das jemand? Ist das ADS bei Erwachsenen? Egal, wie die Wissenschaft das nennt: Ich möchte nicht darauf verzichten: Es ist mein Leben!  Fangen wir mal im Urschleim an!




Ich könnte nicht ohne meine ständigen Veränderungen sein. Das fing schon als Kind an: "das Mädchen mit den 1000 Plänen" nannte mich meine Oma immer.


Und das bin ich mit meiner Omi! Heute ist sie mittlerweile 85. Danke für alles, was Du mir mit auf den Weg gegeben hast!


Ein kleiner Motor, der sich ständig bewegt. Ich liebte es, ganz viele Sachen auf einmal zu machen. Als Kind ist das alles noch gut machbar. Da kann man seine 7 Sachen einfach mal auf den Fußboden schmeißen und Ordnung machen. Ja, auch das habe ich geliebt.... Ich hatte kein eigenes Zimmer, dafür war einfach kein Platz im kleinen Haus.



Meine Sandkiste war eine  Kiste aus Holz.
Schnürsenkel. Stundenlang....

Mit Schuhkartons konnte ich mich stundenlang beschäftigen.



















Aber ich hatte meine Schrankfächer, in denen meine Schulsachen aufbewahrt wurden und Ordnung machte ich am liebsten, indem ich den Schrankinhalt vollständig herauszog und alles auf einen Berg schmiß, um es dann wieder nach Themenbereichen zu ordnen. Dann wurden alle Stifte gespitzt, alle Fasermaler ausprobiert, beschriebene Zettel durchgeguckt und weggeschmissen und am Ende habe ich mich immer gefreut wie ein Schneekönig. Also, im Grunde das Prinzip, welches ich euch seit fast einem Jahr weitergegeben habe.  Die Schulzeit war zu damaligen Zeiten in der DDR sehr vorgegeben. Es gab einen Plan. Man mag davon halten, was man will und wahrscheinlich war es in meiner mecklenburgischen Kleinstadt ein wenig ruhiger als in den größeren Städten, aber mir gab das alles einen Rahmen, eine Struktur. Mangelwirtschaft hin oder her.... man besaß halt weniger, weil man nicht mehr bekam. Hat alles Vor- und Nachteile.... ich weiß. Und diese Sätze sollen auch keine Verherrlichung alter DDR-Zeiten sein. Aber rein von den Gegebenheiten her, war es einfacher, da weniger vorhanden war. Vielleicht kommt daher auch meine immerwährende Predigt: Sortiert aus! Je weniger Materielles man besitzt, umso weniger muß man sich kümmern und destomehr Zeit bleibt für wichtigere Sachen. Schule hat mir immer Spaß gemacht, Lernen irgendwann auch. Oma war für mich da, hat gekocht und mit mir Mathe gemacht (bäh...doofes Fach!). Meine Anziehsachen wurden von ihr entweder selbst genäht oder ich durfte mich über die "Westpaket-Inhalte" freuen. 



Meine Mama und ich. Könnt ihr im linken Teil des Bildes die Nähmaschine erkennen?




Alles wurde lange Zeit gepflegt und gehegt. Meine erste Markenjeans, eine Wran*gler, habe ich solange getragen, bis sie wirklich auseinanderfiel und selbst dann hat Oma mir daraus noch eine Umhängetasche genäht, welche noch Jahre im Einsatz war. Recycling! Oma sagte immer, man "müßte aus Kacke Bonbon machen können". (Entschuldigt den Ausdruck, Omas Sprüche waren nicht immer die feinsten.... aber wahr!)



 
Gebadet wurde im Waschkessel in der alten Waschküche. Nicht schön, nicht perfekt, aber genial!




Dann kam die große Wende. Die Welt stand auf einmal offen und ich war gerade 17 Jahre alt. Meine Strukturen brachen von jetzt auf eben zusammen (nein, kein Bedauern und ich will auch keine Mauer zurück! Um Gottes Willen!). Sämtliches Materielles war vorhanden. Im Überfluß. Ich begab mich in mein erstes Studium und war vollkommen überfordert. Nicht mit dem Stoff, sondern mit meiner Selbstorganisation. Alles war auf einmal sooooo groß und meine Füße, auf denen ich selbst stehen sollte, schienen von Tag zu Tag zu schrumpfen. Da kam mein erster depressiver Einbruch, damals noch nicht als solcher erkannt (wir schreiben das Jahr 1991). Viel Ruhe und der langsam aufkeimende Entschluß, das Studium (Anglistik/ Germanistik auf Lehramt) abzubrechen und in eine neue Stadt umzuziehen brachten wieder Ordnung in mein Leben. Ein halbes Jahr späer packte ich all meine Sachen in den den himmelblauen Trabbi und fuhr nach Rostock. Ein neuer Abschnitt begann. 


Und da ich gerade merke, daß die Geschichte etwas länger wird (oh Gott, bin ich wirklich schon so alt?) beende ich an dieser Stelle den heutigen Beitrag und würde mich freuen, wenn ihr am  nächsten Sonntag wieder vorbeischaut!


Eure Ordnungshüterin


Kommentare

  1. Und ich dachte, ich sehe nur nix!
    Was für eine schöne Idee mit den Bildern! Total klasse finde ich das Foto wo du in dem Wasserbottich stehst :)

    Einen schönen 2.Advent! Lg,Bianca

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  2. Liebe Ordnungshüterin
    Vielen Dank für den Einblick in dein Leben. Da hast du schon viel erlebt - schönes und weniger schönes. So wie es uns fast allen geht. Ups und downs, die gehören zum Leben einfach dazu....
    Dass es dir mit 9-jährigen Zwillingen nicht langweilig wird kann ich mir vorstellen. Und dass du dann immer noch Zeit findest und uns gute Tipps gibst finde ich einfach genial. Meine Schwester hat mir einen KZW geschenkt und der erinnert mich immer wieder daran, dass es wieder einmal Zeit ist, Ordnung zu schaffen.

    Ich danke dir herzlich für die Zeit, die du dir täglich nimmst um uns auf die Sprünge zu helfen und wünsche dir einen ruhigen und genussvollen 2. Advent.

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz, Regula

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  3. Ich kann dir in vielem nur zustimmen. Mir geht es ähnlich mit den 1000 Ideen, die im Kopf herum spuken und man nicht weiß, wo man zuerst anfangen soll. Und oft wird daraus richtig Stress. So ein innerlicher Stress. Man fühlt sich getrieben, kann es aber nicht abstellen. Und zum Schluss hat man 5 Projekte gleichzeitig, und schafft doch nur die Hälfte ...! Ich weiß immer nicht, wie andere es machen und schaffen. ;-)
    Lieben Adventsgruß
    Claudia

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  4. toll, wie du all die schwierigkeiten meisterst! auch ich fange mit feuereifer hunderterlei sachen an, nur dann pfeift mich mein körper zurück (kaputte bandscheiben im kreuz und im nacken) und ich muss wieder klein beigeben. und dann kommt der frust... und das frustessen! aber sonst wäre es wohl zu einfach! lg und einen gemütlichen 2.advent von mrs.columbo

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  5. Ach ja, das waren Zeiten... aber auch irgendwie schön, mal so zurückzublicken. Habe neulich gerade so gedacht: 'Wahnsinn, ich arbeite nun schon mehr als die Hälfte meines Lebens (seit '88!) beim bzw. für den selben Verein!' Wer kann das in dieser schnelllebigen (uii..3 l's!!!) Welt von sich behaupten!? Naja, dafür hätte ich enorme Ängste oder Hemmungen, mich heute irgendwo neu bewerben zu müssen... und ich wüsste noch nicht einmal wo oder als was! Ja, liebe Anna.. nun wirst Du Dir denken können, wer hier so vor Deinem 4.Türchen herum philosophiert! ;) Und beim Thema Depressionen lasse ich Dich auch nicht allein, dafür sind unsere Antennen eben sehr fein... Fluch oder Segen, wer weiß das schon - wir nehmen uns am Besten wie wir sind! :)

    Hab einen schönen 2.Advent & einen lieben Gruß an Deine Lieben!!!

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  6. Liebe Anna, ich gebe dir und Claudia vollkommen recht, mir geht's genau so! Ich habe auch immer sooo viele Ideen im Kopf und weiß nicht, wie ich die alle umsetzen soll. Gerade jetzt vor der Weihnachtszeit will man so viel schaffen (ich verschenke halt auch lieber selbstgemachte als gekaufte Dinge), doch der Tag müsste dafür mehr als nur 24 Stunden haben. Es artet manchmal echt in Stress aus, auch wenn es nicht unbedingt schlechter Stress ist! Manchmal überlege ich auch Abends vorm Fernseher, ob es gut ist, hier zu sitzen und ob es nicht besser wäre, noch einige Dinge zu erledigen, aber dann sage ich mir auch, dass man auch mal eine Auszeit braucht! Und die sollte man sich wirklich immer mal wieder gönnen!

    Ich danke dir auch für deinen lieben Post und den Einblick in deine noch junge Vergangenheit! (bin nur 3 Jahre jünger als du, daher behaupte ich hier mal, dass wir noch jung sind!!!! ;o)

    LG Meli

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  7. Liebe Ordnungshüterin,

    abgesehen von Danke und schön erzählt, mal zwei Sachen:

    heute gilt ADS / ADHS als Makel, früher war es ein Zeichen von Kreativität... Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit meiner "Krankheit", die mich nicht so dröge sein, aber viel ausprobieren lässt.

    Zum anderen: warum muss sich jeder (Ossi) dafür entschuldigen, dass er die DDR und damit seine Kindheit/Jugend/Leben nicht in Bausch und Bogen verdammt? Warum darf der Ossi nicht Gutes als gut betitulieren?
    - ein kleines Beispiel: es gab nicht so viel, man machte mehr allein: das brachte echte Individualität, statt Markeneinerlei im Shopping-Tempel)
    man reparierte und receycelte aus Mangel - wird heute als "nachhaltig" völlig neu entdeckt
    - man stand mehr zusammen, weil es weniger soziale und konsumbedingte Unterschiede gab und die Leute ohne Angst vor sozialem Absturz lebten.
    - viele heute abgestürzte Leute kamen damals zurecht - das enge Korsett aus Regeln und Kontrolle in der DDR stützte und schützte sie.

    Ich steh zu meinem Leben und meiner Meinung und stecke ständig dafür Schläge ein - allerdings kaum von "Landsleuten". Ebenso für meine 1000 Pläne und mein mehrere-Dinge-gleichzeitig-machen oder meine Konsum-Abneigung.

    Ansonsten: ein schön ordentlicher Blog, hab ihn schon einigen chaotischen Freundinnen äh modernen Frauen empfohlen. Aber eines löst er nicht: wie bekomme ich meine Handarbeitsmaterialien, Selbstmach-Utensilien, Tonnen von Büchern und minimiale Ausstattung an Kleidung, Schuhen und Geschirr für 4 Personen in eine normale 4-Raum-Wohnung ohne Chance auf Keller (nass), Hängeboden (Wände geben es nicht her) oder Dachboden (ist eine Wohnung)?

    Ihre Ost-Spinnerin

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  8. Es ist immer wieder interessant, über das Leben eines Menschen zu erfahren.
    Ich wünsche Dir alles Gute, und dass sich die Depressionen irgendwo schlafen legen und Dich in Ruhe lassen.
    Lieben Gruß
    Lemmie

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  9. Liebe Ordnungshüterin,
    ich finde Deinen Post klasse und mutig..Es ist gar nicht so einfach über sich selbst zu schreiben...Danke dafür...."schönchen" Blogs gibt es soooo viele, schön, das man hier merkt, das ein "normaler " Mensch dahintersteckt!
    Das mit den Depressionen verstehe ich sehr gut,denn sie begleiten mich (und meinen Strubbelkopp,der 1000 Ideen und Gedanken) schon seit meiner Kindheit! Ich fürchte das wird uns unser ganzes Leben begleiten, aber wir können lernen damit umzugehen. Ich glaube es geht sehr vielen Kreativen Köpfen so...Es trauen sich aber nur sehr wenige, offen darüber zu sprechen...HUT AB!!!
    Liebe Grüße
    Sonja

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